Martin − Luther − Gemeinde
Berlin - Lichterfelde
Letzte Änderung:
08.04.2012 – 13:33 Uhr
Benjamin
Der fünfjährige Benjamin will immer alles ganz genau wissen:
Warum ist Gott eigentlich nicht sichtbar, hat er gefragt.
Lieber Benjamin, im Folgenden versuche ich, auf deine Frage zu antworten. Gott ist nicht sichtbar, weil er kein Mensch ist. Er ist so groß und mächtig, dass wir Menschen das kaum verstehen können. Er braucht nicht auf der Erde zu sein, zu leben und zu sterben wie wir. Außerdem war er schon einmal sichtbar. Als Jesus zu Weihnachten geboren wurde, da kam er als Mensch auf die Welt, um uns zu zeigen, dass er weiß, wie hart unser Leben manchmal ist. Er ist gestorben und hat gelitten, so wie wir das manchmal müssen. Stell dir vor, du könntest Gott sehen. Wie sieht er dann aus? Wie der gute Hirte oder wie Superman? Jeder stellt sich Gott anders vor. Für welche Erscheinung soll Gott sich dann entscheiden? Vielleicht wärst du sogar enttäuscht, wenn du ihn siehst und das will Gott nicht. Kennst du das Lied Immer und überall? Da heißt es, dass Gott immer für jeden da ist, egal, wo er sich aufhält. Deswegen kann er gar nicht sichtbar sein. Wäre er sichtbar, könnte er ja gar nicht immer und überall bei jedem von uns sein. Wenn du dir wirklich wünschst, Gott einmal zu begegnen, dann schau dich genau um. Jeder Mensch und jedes Tier ist ein Geschöpf Gottes.
Vielleicht begegnet Gott dir ja, wenn du gerade mit deinem Freund Fußball spielst oder wenn du abends zusammen mit deiner Familie im Wohnzimmer sitzt und glücklich bist. Wenn du aufmerksam und offen für die Welt bist, merkst du bestimmt, wie oft Gott für dich sichtbar wird. Ich wünsche dir viele schöne Begegnungen mit Gott!
Anamika Wehen
„Wenn Gott alles gemacht hat, warum hat er dann auch Karius und Baktus und Krebs und Tsunamis gemacht?“
Antwort 1:
Lieber Benjamin,
Deine Frage ist sehr schwierig zu beantworten und ich glaube, sie ist der Grund, warum viele Menschen nicht an Gott glauben. Sie denken: Wenn es Gott gibt, warum gibt es dann so viel Kriege und Erdbeben? So wie du dich das auch gefragt hast. Ich weiß, meine Erklärung klingt sehr gemein, aber ich denke, dass Gott wirklich all das gemacht hast, was du aufgezählt hast: Tsunamis, Krebs, Karius und Baktus. Schließlich hat er in der Bibelgeschichte von der Arche Noah auch eine Überschwemmung gemacht. Trotzdem denke ich, dass Gott das alles sehr ungern macht, es aber nicht verhindern kann. Doch das Besondere ist: Obwohl Gott so schreckliche Sachen schafft, ist er immer bei uns. Bei Tsunamis und bei Erdbeben lässt Gott die Menschen nicht allein. Und auch wenn du Karius und Baktus hast, ist Gott bei dir. Kennst du die Momente, wenn krebskranke Menschen plötzlich lachen und fröhlich sind oder wenn tausende Menschen in Länder reisen, um dort den Betroffenen einer Naturkatastrophe zu helfen? In solchen Momenten ist Gott da und tut alles in seiner Macht stehende, um den Menschen solche schwierigen Situationen so leicht wie möglich zu machen. Ich stelle mir das immer ein bisschen wie im Märchen von Dornröschen vor (ich hoffe, du kennst es). Die guten Feen können den Todesfluch der bösen Fee zwar nicht verhindern, aber sie können ihn abmildern, sodass Dornröschen am Leben bleibt. Genauso ist das auch mit Gott. Er kann die vielen schlimmen Sachen nicht verhindern, aber er kann sie so abmildern, dass wir Menschen so wenig Leid wie möglich ertragen müssen.
Anamika Wehen
Antwort 2:
Lieber Benjamin,
Du hast Recht, Gott ist der Schöpfer des Himmels und der Erde. Von ihm ist alles Leben, also auch wir Menschen, die Tiere, alles was wächst und gedeiht vom Urwald bis zum Gänseblümchen. Aber das bedeutet nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen dürfen und gar nichts mehr tun müssen. Gott hat dem Menschen auch die Verantwortung für sich selbst gegeben. Wenn ich z.B. Schokolade esse und meine Zähne nicht putze, verwandelt sich der Zucker in Säure und die Säure zerstört meine Zähne. Nach Krebs hast Du auch gefragt. Es ist so schwer zu verstehen, warum Menschen krank werden. Aber genauso unvorstellbar wäre es, wenn wir immer gesund wären und niemals sterben müssten. Die Erde könnte gar nicht alle Menschen ernähren, der einzelne hätte kaum noch Platz. So ist unser Leben bestimmt vom Werden und Vergehen. Wir kommen als Säuglinge auf die Welt, sind unterwegs auf unserem Lebensweg und am Ende verlassen wir das irdische Leben wieder. Dabei erlebt jeder Mensch seinen ganz eigenen Lebensweg, keiner ist wie der andere. So wie es Anfang und Ende gibt, gibt es Hell und Dunkel, Tag und Nacht, Krankheit und Gesundheit. Alles gehört zum Leben dazu und alles ist in Bewegung, verändert sich immerzu. Ich weiß nicht, warum Gott das Erdbeben und den Tsunami in Gang setzt, aber ich weiß, dass er Menschen die Fähigkeit gegeben hat, aus Naturkatastrophen zu lernen. Moderne Häuser halten ein Erdbeben aus. Von Gott kommt die Stärke, damit wir bei einer Katastrophe nicht verzweifeln, sondern anfangen, Trümmer wegzuräumen und Häuser wieder aufzubauen. Gott will, dass wir Vertrauen haben, auch wenn wir das nicht immer gleich erkennen können.
Deine Hanna
„Warum musste Jesus sterben?“
Antwort 1:
Lieber Benjamin,
für deine Frage gibt es viele, viele verschiedene Antworten. Ich habe hier eine davon für dich: Zuerst müssen wir uns angucken, warum Jesus überhaupt geboren wurde. Es war ja erst vor kurzem Weihnachten, da hast du bestimmt gehört, dass Jesus, Gottes Sohn, geboren wurde, damit Gott uns Menschen ganz nahe sein kann. Jesus wurde unter ärmlichen Verhältnissen, in einem Stall, geboren, wie andere Kinder zu seiner Zeit auch, und ist in einer Familie aufgewachsen, wie wir auch, mit Mutter, Vater und vermutlich auch mit Geschwistern.
Dann kam sein Leben als Prediger und Heiler, wo er viele Wunder vollbracht und den Menschen von Gott erzählt hat. Und schließlich kam der Tod. Jeder von uns muss irgendwann sterben und auch Jesus ist diesen Schritt gegangen. Er ist am Kreuz gestorben und hat dabei große Schmerzen erlitten. Dadurch weiß Gott, was für Schmerzen wir Menschen manchmal ertragen müssen und was der Tod eigentlich bedeutet.
Ist es dir schon einmal passiert, dass du dir wehgetan hast und dann irgendwer einfach gesagt hat: Ach, das ist doch nicht so schlimm! Stell dich nicht so an!? Das kann uns nie wieder passieren, denn Gott weiß, wie sehr wir leiden und kann uns viel besser verstehen - weil Jesus auch gestorben ist. Und weil er das weiß, kann Gott immer bei uns sein. Er kennt den Tod, er weiß, wie er ihn überwinden kann und er ist immer an unserer Seite, um die alle Schmerzen mit uns zusammen durchzustehen.
Ich wünsche dir Gottes Segen für das neue Jahr!
Deine Anamika
Antwort 2:
Lieber Benjamin,
ich finde, Du hast eine sehr schwierige Frage gestellt, weil sie den Unterschied zwischen Wissen und Glauben berührt: Wissen will beweisen, Glauben will vertrauen. Ich bin nun schon 88 Jahre alt geworden und in einem Pfarrhaus aufgewachsen, bin also schon als Kind an Gottes Wort herangeführt worden. Trotzdem habe ich die einzig wahre Antwort auf Deine Frage bis heute nicht finden können. Was ich Dir sagen kann ist, dass es Gottes Ratschluss war. Aber wirklich verstehen kann ich das noch immer nicht, besonders nicht die extrem grausame Weise der Kreuzigung. Für mich hätte Jesus im biblischen Alter wie Abraham und Moses sterben können und wäre dennoch Gottes Sohn. Hoffentlich habe ich Dich mit meiner Antwort nicht enttäuscht, aber es geht wirklich immer wieder darum, Gottes Ratschluss zu vertrauen. Ich bin schon sehr gespannt, welche Frage Du das nächste Mal auf dem Herzen hast.
Herzliche Grüße von Ingrid Willnow.