Martin − Luther − Gemeinde Berlin - Lichterfelde

Besinnung

Monatsspruch März 2012

Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele. Denn er ist meine Hoffnung.
Psalm 62,6

Ganz außer Atem rennt das Kind zu dem zuvor verabredeten Baum. Es bleibt stehen, berührt den Baum, schreit „Haus!“ – und schon kann es zur Ruhe kommen, hat mitten im aufregenden Fange-Spielen eine Pause. Hier kann es der Fänger nicht abschlagen.

Solch einen Ort bräuchte es im oft so aufreibenden Alltag. Wenn uns die Angst um einen lieben Menschen oder die Sorge um den Arbeitsplatz umtreiben. Wenn uns Beistand fehlt und wir uns alleine fühlen. Wie können wir dann Ruhe und Geborgenheit finden?

Dem Dichter des Psalms ging es genauso. Er kämpfte mit aller Kraft, denn auch er wurde verfolgt und bedrängt. Aber dann erinnert er sich an Gottes Zusage. Gott hilft. Er steht uns bei. Der Psalmdichter nimmt Gott beim Wort. Darum sagt er: Sei nur stille zu Gott, meine Seele. Diese Formulierung klingt in unseren Ohren altertümlich. Wir denken eher an stillhalten, an ein Verstummen der Klage, ein Wegducken, obwohl die Situation unverändert ist. Aber darum geht es hier ganz und gar nicht.

Stille sein zu Gott ist nicht ein stummes Leiden, sondern ein aktives Suchen und Finden von Hilfe. Das Vertrauen auf Gott ermöglicht uns ein ruhiges Zurück-lehnen. Gott ist unser Haus im Fange-Spiel des Lebens.

Hinter der Aufforderung sei still zu Gott verbirgt sich ein zweifaches Handeln: Zuerst handelt Gott. Er hat den Menschen in der Vergangenheit beigestanden und wird uns darum auch in der Zukunft die Treue halten. Weil er handelt, darum können wir bei ihm Hoffnung und Geborgenheit finden. Wir dürfen ihm zutrauen, dass er uns wirklich hilft, wenn wir ihn darum bitten. Darum können wir den Schritt wagen und auf seine Kraft vertrauen.

Pfarrer Jörg Zabka



Jahreslosung 2012

Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
2. Korinther 12,9