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Predigt zum Reformationstag 2019

Der Gottesdienst am Reformationstag 2019 wurde von den Mitgliedern des Gemeindekirchenrates gestaltet. Die Liedpredigt zu EG 595  Ein Schiff das sich Gemeinde nennt stellen wir Ihnen hier vor.

 

STROPHE 1

Liebe Gemeinde!

Mit diesem Lied rufen wir Ihnen ein herzliches Willkommen an Bord zu! Willkommen an Bord unseres Schiffes, das sich Gemeinde nennt. Das Lied stammt von Martin Gotthard Schneider, der mit seiner Komposition Danke für diesen guten Morgen die Hitparade gestürmt hat. Schneider war Kirchenmusiker mit einem Gespür für Melodien und studierter Theologe. Daher ist es lohnenswert, sich mit seinen Texten zu befassen. Mit Blick auf die Wahlen zum Gemeindekirchenrat am 03.11. hat der GKR dieses Lied ausgewählt, weil wir uns am Reformationstag auch mit den Aufgaben der Ältesten auseinandersetzen wollen.

Der Ton der ersten Strophe ist ein zweiflerischer. Schneider vergleicht die Gemeinde mit einem Schiff, das auf dem Meer der Zeit unterwegs ist. Damit unternehmen wir eine Reise, die noch lange währen wird. Unser Schiff wird bedroht von äußeren Gefahren wie Sturm und Kampf. Es sind aber die inneren Gefahren, die wir ernst nehmen müssen: Angst und Verzweiflung. Die Seefahrer fürchten, dass das Schiff untergeht.

Wie fühlen Sie sich, liebe Schwestern und Brüder, wenn Sie an ein Schiff denken?

Spüren Sie die Weite des Meeres und ein Gefühl von Freiheit? Oder denken Sie mit mulmigem Gefühl im Bauch an die schwankenden Bohlen unter Ihren Füßen?

Eine Gemeinde sollte ein Ort der Geborgenheit sein. Wenn wir hier zum Gottesdienst zusammenkommen, versammeln wir uns im KirchenSCHIFF. In der Tat: Unser Kirchenraum erinnert mich immer wieder an einen umgedrehten Schiffsrumpf. Aber wir sind nicht gekentert, im Gegenteil: Wir sind geborgen im Bauch des Schiffes und können hier sein, wer und wie wir sind. Wenn wir als Gemeinde zusammenkommen, sind wir geschützt gegen die Außenwelt und geben einander Kraft, um gestärkt wieder an Deck zu klettern. Für jeden von uns werden die Gefahren der Außenwelt unterschiedlich sein: Allgemein können es tagespolitische Ereignisse, gesellschaftlicher Wandel oder Spardiskussionen sein, aber genauso der Nachbar, mit dem man oft aneinander gerät.

Für unsere gemeinsame Fahrt auf dem Schiff, das sich Gemeinde nennt, braucht es nicht den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit – wie es in dem Konfirmationsspruch meiner Tochter aus dem 2. Timotheus-Brief heißt.

Denn wir sitzen alle zusammen mit Jesus in einem Boot. Wir haben alle ein Ziel: Gottes Ewigkeit. Und Jesus weist uns den Weg dorthin. AMEN.

Juliane Schlagowski

 

STROPHE 2

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

Angst zu haben, kann dazu führen, den „sicheren Hafen“ gar nicht erst verlassen zu wollen. Dabei wäre das so wichtig auf dem Weg nach draußen auf das Meer, um vom Glauben zu künden.

Aber: Warum „liegt das Schiff“ so oft „im Hafen fest“? Die christliche Gemeinde ist wie ein Segelschiff. Um es zu bewegen, bedarf es Mut und Können – stehen die Segelmasten, sind die Segel ordentlich gehisst? Dann kann sich das Schiff mit der  Gemeinde an Bord sicher bewegen. Und dann wird das Schiff nach seiner Tour auch wieder einen sicheren Hafen erreichen. Neben Mut und können braucht es aber auch Gottes guten Geist. Ohne ihn läuft es für die Mannschaft nicht. Der Refrain des Liedes spricht das ja auch deutlich aus. Erkennt man also den „Hauptmast“ des Schiffes? Können die eigene Mannschaft, die Besatzungen anderer Schiffe und die Menschen an Land sehen, wo der Mittelpunkt des gemeinsamen christlichen Lebens ist – also den Tisch des Herrn oder den Gottesdienst, für die Diakonie, das Sprechen über den Glauben, die Geselligkeit? Sie dürfen nicht für sich, sondern müssen wie die Masten des Schiffes zueinander stehen. Dazu gehört zum Beispiel auch die Arbeit des Gemeindekirchenrates, denn auch sein Tun muss am Hauptmast ausgerichtet sein. Wie an Bord eines Schiffes ist jede und jeder Einzelne wichtig, und zwar an Deck, sowohl im Hafen als auch auf See. Und überall – wie in der Gemeinde – gibt es etwas zu tun. Und auch dieses Tun muss am Hauptmast und Gottes guten Geist ausgerichtet sein.

Oft ist die Situation aber so, dass das Schiff nicht ablegen kann und im Hafen bleiben muss, weil viele Besatzungsmitglieder von Bord oder ihre Helfer an Land bereits „ausgestiegen“ sind, obwohl gerade ihr Mut gefragt wäre. Doch es stimmt natürlich: Gottes guter Geist kann als Gegenwind auch Widerstand bieten, sogar als Sturm oder Flaute die Besatzung extrem herausfordern. Wer segelt, muss sich daher einigermaßen auskennen, und ebenso wie beim Segeln braucht es Kraft, Wissen und menschlichen Einsatz. Wenn der Wind ins Segel greift, sind Achtsamkeit und Teamwork gefordert – nicht nur innerhalb der Mannschaft, sondern auch zwischen Mensch und Gott. Kraft bewusst wahrzunehmen und sich von ihr gestützt zu verhalten - das ist unser Glaube an Gottes Vernunft und Gnade. Wir lesen: Es stürmt und Jesus schläft unter Deck, und die anderen an Bord verstehen das nicht. Dabei „gab uns Gott nicht den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Timotheus Kap. 1, 7). Er macht uns stark und liebevoll in allem, was wir tun, besonnen in Wort und Tat. In diesem Vertrauen können wir, die Mannschaft des Schiffs, das sich Gemeinde nennt, „die Leinen losmachen“, den Hafen verlassen und volle Fahrt voraus nehmen. Amen.

Niels Lau

 

STROPHE 3

Der Mensch ist ein soziales Wesen, und als solches auf andere Menschen angewiesen. Wir brauchen einander. Menschlicher Kontakt, Austausch und Kommunikation sind für uns von grundlegender Bedeutung. Daher ist es auch nur folgerichtig, dass wir uns in Gruppen mit gleichen Interessen zusammenfinden. In unserer Kirche ist das die Gemeinde. Sie ist die Keimzelle, auf der alles aufbaut.

Was bedeutet uns unsere Gemeinde?

Die Antworten sind natürlich individuell unterschiedlich, aber im Kern komme ich immer wieder auf die Zusage bei Matthäus im 18. Kapitel zurück:

Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen (Mt 18,20).

Diese Zusage hat für mich drei Teile:

Gottes Versprechen der Nähe berücksichtigt die Natur des Menschen. Natürlich ist geistliches Leben als Eremit möglich, aber für die meisten nicht erfüllend. Im Austausch miteinander, in der Diskussion, in der Gemeinschaft wachsen wir miteinander und aneinander.

Zwei oder drei - Gott erwartet keinen Prunk, prachtvolle Umzüge oder Menschenmassen. Direkte Beziehungen schaffen Nähe und Vertrauen. Die überschaubare Gruppe erleichtert das Loslassen, sich zuhause fühlen, entspannen und sich angenommen fühlen.

Und vor allem, wenn wir uns in Seinem Namen zusammenfinden, ist er bei uns, nein, sogar mitten unter uns. Natürlich gilt das zu jeder Zeit und überall, aber die Gemeinschaft erleichtert es uns, das zu spüren. Hier fällt es uns leichter, dem Raum zu geben und uns darauf zu besinnen.

Was können wir nun tun, damit wir diesem Idealbild einer Gemeinde so nahe wie möglich kommen?

Auch hier sind die Antworten wieder so individuell, wie wir Menschen unterschiedlich sind und in welcher Lebensphase wir uns gerade befinden. Manche leben die Gemeinschaft intensiv, engagieren sich mit großem persönlichem Einsatz für die Gemeinde und andere.

Bei anderen ist die Beziehung eher lockerer Natur. An manchen Tagen kann es aber allein schon ein freundliches und anerkennendes Lächeln, eine herzliche Begrüßung, oder ein Gespräch sein, die den Unterschied machen.

Grundsätzlich ist eine Gemeinde ein lebender, atmender Organismus, der meiner Meinung nach umso attraktiver und liebenswerter ist, je mehr der folgenden Merkmale aktiv gelebt werden:

-         Beziehungen untereinander aufbauen und Gemeinschaft erleben

-         Füreinander Dasein und Einstehen

-         Mitmenschen in ihrer Verschiedenheit wertschätzen

-         Offen aufeinander und auf neue Mitglieder zugehen

Und vor allem: Besinnung auf Gottes Wort, und sein Werk an uns und durch uns. Amen.

Dirk Traulsen

 

STROPHE 4

In seinem Kirchenlied zeichnet Schneider das Bild einer Gemeinde als Schiff, das sich auf große Fahrt über das Meer begeben muss, um das Ziel, der "Ewigkeit Gottes", wie er schreibt, zu erreichen. Wird das Schiff bestehen, wenn es vom Sturm bedroht wird und die Mannschaft immer wieder in Verzweiflung, Kampf und Sieg bestehen muss?

In der vierten Strophe lenkt Schneider die Aufmerksamkeit auf eine wichtige Frage der Gemeinde: "Wie finden wir den rechten Kurs zur Fahrt im weiten Meer?". Diese zentrale Frage muss aufhorchen lassen. Und: Diese Frage wirft auch gleich 2 weitere Fragen auf: Wo lässt sich das Ziel der großen Fahrt lokalisieren, wie muss der Weg dahin im Einzelnen aussehen? Von einem Steuermann und Lotsen, die in schwieriger See manövriert, ist nicht die Rede. Nur, dass es um den Kurs große Debatten gibt und hier dies und jenes geraten wird, was nicht immer für eine richtige Kursbestimmung hilft, aber oft nur Unruhe und Verwirrung stiftet.

          Dieses Bild ist nicht von der Hand zu weisen. In unserer heutigen Realität ist die Kursbestimmung auf dem Meer eine nicht ganz einfache Angelegenheit. Schon früher konnte man aus der Position und Bewegung der Gestirnen des Himmels den Kurs  bestimmen, so sind heute Seekarten wichtig, aus denen Untiefen, Riffe, aber auch die Leuchttürme am Horizont erkennen kann. Und der Kompass ist ja auch schon seit langer Zeit ein vertrautes Instrument für die Richtungsbestimmung auf hoher See. Nur, mit den Hilfsmitteln der Navigation muss man umzugehen verstehen!

Den Kurs unserer Gemeinde heutzutage verantwortungsvoll und vertrauenswürdig bestimmen zu wollen ist nicht ganz einfach. Finanzfragen klären, die Regionalisierung in Kirchenkreis voranzubringen, Sparkonzepte beachten, Bauaufgaben fachkundig beurteilen und im verantwortlichen finanziellen Rahmen umsetzen, Umstrukturierung im Auge habe und personelle Ressourcen effektiv einsetzen, Projekte anstoßen und mittragen, ..... die Liste der Aufgaben ist lang - und immer ist dabei die Frage gestellt, wie hilft dies alles unserer großen Aufgabe und dem Ziel als Christen, das Evangelium zu bezeugen und die Sakramente gemäß dem Auftrag Jesu Christi gerecht zu werden? 

          Unter der Schiffsbesatzung muss, um wieder das Bild des Schiffes auf großer Fahrt aufzunehmen, die Verständigung untereinander gut funktionieren. Für uns hier, die wir im Auftag der Gemeinde tätig sind, gilt das Bemühen - und da verweise ich auch einmal auf die Grundordnung unserer Landeskirche - "um geschwisterliche Verständigung und Rücksichtnahme im Umgang miteinander." Dies ist das Eine.

          Das Andere, für mich sehr Wichtige ist, bevor ich mich wieder auf den Weg einer Kursbestimmung mache,  das Innehalten. Lassen wir den Heiligen Geist in Jesus Christus wirken und vertraue meinen und unseren Weg dem Herren an,  wie es in den Psalmen geschrieben steht: "Befiehl dem Herrn Deine Wege und hoffe auf ihn, er wirds wohl machen.“ In diesem Vertrauensverhältnis ist es  leicht, über alle Dinge des Lebens und des anstehenden Lebenswegs zu reden. Zu reden mit Gott, das geht im Schweigen, im Denken, in der Meditation, im Gebet, und selbst im Selbstgespräch ist er dabei. Es ist das Vertrauen, den richtigen Kurs zu erkennen. 

                                                                                                                                      Hans-Jürgen Trauer

 

STROPHE 5

 

Über Freunde

Viele Freunde sind mit unterwegs auf gleichen Kurs gestellt.

Was soll uns diese Passage sagen?

Als Freunde bezeichnen wir Menschen, auf die wir uns verlassen können und die uns sympathisch sind. Wir fühlen uns verbunden mit ihnen. Im Idealfall empfinden wir sogar Liebe gegenüber unseren nächsten Mitmenschen. Diese Art von Liebe ist außer Mode gekommen und oftmals ignorieren wir, wenn wir uns von Freunden angezogen fühlen.

Der Begriff Freundschaft ist vielschichtig. Freundschaft gibt uns Halt, Sicherheit, Verständnis. Es gibt auch Momente, da wollen wir schweigen, und genießen die Gesprächslücke, um etwas Sinnvolles zu sagen, wovon wir wissen, dass uns die Worte weiterführen. Das kommt zumindest dann vor, wenn wir wissen, dass uns unser Gesprächspartner folgen kann und vielleicht genau das Gleiche gedacht hat und nur nicht ausgesprochen hat. Dann können wir den Gedanken aufnehmen und weiterführen, ohne den Gedanken einfach nur zu duplizieren. Ein Gedanke könnte sein, dass wir in einem reichen Land leben, und es uns gut gehen müsste.

Mit Freunden kann ich mir auch Träume ausmalen, wenn ich mit Freunden spreche. Es gibt Träume im Wachzustand und beim Schlafen. Träume im wachen Zustand sind wie Wünsche und Vorstellungen - eine Art die Zukunft zu beschreiben. Ein Traum wäre zum Beispiel eine bessere Gesellschaft mit mehr Vertrauen. Mein Anspruch ist dabei, bei mir anzufangen und mit mehr Vertrauen meinen Freunden gegenüber aufzutreten.

Etwas ganz Besonderes ist es, mit Freunden Schweigen zu können. Worte sind schnell gesagt oder auch langsam, wenn sie etwas Wichtiges ausdrücken.

Unser Lebenswerk können wir vollenden, wenn wir unsere Mitmenschen lieben. So wie wir Freunden gegenüber auftreten.

Die Stimme des Friedens und der Liebe spricht eine andere Sprache als wir im Trubel des Alltags gewohnt sind.

Liebe sind wir im Alltag gar nicht mehr gewohnt, obwohl sie das Leben bereichert.

Liebe hilft uns zu verstehen und verstanden zu werden.

Auch können wir schweigen ohne befangen zu sein.

Sebastian Ludwig