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RSSPrint

Andacht zur Jahreslosung 2021

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Lukas 6,36

 

In letzten Jahr war Advent und Weihnachten ganz anders. Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen Jahr und wissen nicht, wie es werden wird. Das wissen wir zwar nie, aber wir leben in unsicheren Zeiten, wie wir alle sie wohl noch nicht erlebt haben. Alles ist anders.

In diese Situation spricht die Jahreslosung, die uns im Jahr 2021 begleiten wird:

SEID BARMHERZIG, WIE AUCH EUER VATER BARMHERZIG IST.

In einer Rede ermutigt Jesus viele Menschen. Sie suchen nach Halt in schwierigen Zeiten: Es gibt erste Konflikte mit den staatlichen und religiösen Machthabern. Den Jüngern wird deutlich, dass der Weg der Liebe, wie ihn Jesus geht, ein anstren-gender und manchmal auch steiniger Weg ist, der nicht zu Ruhm und Ansehen in der Welt führt.

Jesus aber ermuntert zur Nachfolge und redet gegen die Angst in der Welt an. Er öffnet den Blick für die andere Wirklichkeit Gottes, die hinter allem Sichtbaren verborgen liegt. Das, was jetzt bedrohlich und lebensfeindlich ist, wird nicht das letzte Wort behalten. Es gibt Hoffnung, die auch dann Halt gibt, wenn in dieser Welt vieles ins Schwanken gerät und alles anders ist als wir es kennen.

Jesus sagt: SELIG SEID IHR, DIE IHR JETZT HUNGERT, DENN IHR SOLLT SATT WERDEN. SELIG SEID IHR, DIE IHR JETZT WEINT, DENN IHR WERDET LACHEN. Und er sagt auch: WEH EUCH, DIE IHR JETZT SATT SEID, DENN IHR WERDET HUN-GERN. WEH EUCH, DIE IHR EUCH JETZT LUSTIG MACHT, DENN IHR WERDET WEINEN UND KLAGEN. 

Jesus öffnet Augen und Herzen für die tiefere Wirklichkeit Gottes hinter dem Sichtbaren: Gott sieht die Tränen, die Angst, den Hunger. Gott sieht uns an und sieht unsere Traurigkeit und unsere Verzweiflung. Und er sieht mehr als das, was uns vor Augen ist – er sieht mitten ins Herz.

LIEBT EURE FEINDE; TUT WOHL DENEN, DIE EUCH HASSEN; SEGNET, DIE EUCH VERFLUCHEN sagt Jesus. Das ist wirklich grundlegend anders, als es in der Welt üblich ist. Weltliche Macht und Bedeutung lässt sich auf diese Weise nicht gewinnen. Jesus lädt ein, die Blickrichtung zu ändern: Die Aufmerksamkeit nicht nur auf die unbarmherzige, zerstrittene und zunehmend aufgepeitschte Welt zu richten, sondern sich an die Barmherzigkeit und Liebe Gottes zu halten, die am Ende doch viel größer sind als aller Hass.

Dieser Wechsel unserer Blickrichtung verändert uns. Barmherzig sein, wie Gott barmherzig ist. Gott begegnet uns Menschen mit bedingungsloser Liebe, trotz allem; bei ihm sind wir geborgen trotz unserer Zweifel und Ängste, trotz unserer Unvollkommenheit und sogar trotz der Bosheit, die wir mitunter haben.

Weil wir uns von Gott angenommen wissen, im Leben und im Sterben, ändert sich unser Blick auf diese Welt. Alles ist anders – und diese Veränderung fängt bei uns an. Unser eigenes Herz wird warm und weich. Unser Handeln wird liebevoll, wir werden barmherzig. Denn Gottes Liebe zu uns steht über allem, egal, was kommt.

Ich wünsche Ihnen viel Zuversicht für ein neues Jahr 2021, was auch immer geschehen mag.

Ihr Pfarrer Jörg Zabka